Vor zehn Jahren trat das Friedensabkommen zwischen der FARC und der kolumbianischen Regierung in Kraft. Frieden ist seither trotzdem nicht eingekehrt. Es gibt weiterhin bewaffnete Auseinandersetzungen, und auch die Rekrutierung von Minderjährigen und die Ermordung sozialer Führungspersönlichkeiten bleibt traurige Alltäglichkeit.
Die Situation und die Kämpfe der indigenen Gemeinden im Cauca
Ritual beim 4. Kongress der ACIN (3), Mai 2025, López Adentro. Foto: Cesar Galarza.
Die indigenen Gemeinden im →Departement Cauca sind heute mit verschiedenen Konflikten und Herausforderungen konfrontiert: eine neue Invasion durch →bewaffnete Gruppen, wirtschaftliche Ausbeutung, Drogenwirtschaft, Zwangsrekrutierung von Jugendlichen, Morde an denen, die sich für die Gemeinde einsetzen. Der Artikel analysiert die aktuelle Situation aus Sicht der Gemeinden und stellt ihre Gegenstrategien vor.
Der ermordete indigene Anführer Marcos Yonda. Foto: Asociación de Autoridades Ancestrales Territoriales Nasa Çxhãçxha
Belalcázar. Mit dem Mord an Marcos Yonda, einem spirituellen Führer des Volkes der Nasa, setzt sich die Gewalt gegen Indigene in Kolumbien weiter fort. Yonda wurde am 21. Juli in der Ortschaft Taravira im Departemento Cauca ermordet, er war bekannt für seine Rolle als traditioneller Wissenshüter und als Leiter bei spirituellen Harmonisierungsritualen. Die indigene Gemeinschaft bezeichnet seine Ermordung als Angriff auf die kulturelle Identität ihres Territoriums.
Ordnung ohne Waffen: Indigene in Kolumbien und ihr Leben im Ausnahmezustand
Trueque – Tauschmarkt in der überdachten Markthalle von Rioblanco, einem kleinen Bergdorf am Fuße des Vulkans Sotará im Südwesten Kolumbiens. Foto: Sara Meyer.
von Sara Meyer / Juli 2025
In den frühen Morgenstunden liegt ein feiner Nebel über Rioblanco, einem kleinen Bergdorf am Fuße des Vulkans Sotará im Südwesten Kolumbiens. Hier, in den Anden auf 2900 Metern, weht es scharf und kalt; die indigenen Dorfbewohner tragen selbst gewebte graue Ponchos aus Schafwolle und gestrickte Mützen mit Ohrenklappen, die Männer oft gefilzte schwarze Zylinder.
Die kolumbianische Regierung von Gustavo Petro tut sich schwer damit, das Land zu befrieden
Foto: CRIC
Juan Rivera Caso stehen die Sorgen ins Gesicht geschrieben. Er leitet die Selbsthilfeorganisation Guardia Indígena von Pueblo Nuevo und muss zusehen, wie sich die Situation in der Provinz Cauca zuspitzt. Im Februar war er für die Sicherheit rund um den 53. Gründungstag des indigenen Rates im Cauca (Cric) verantwortlich. Viel Verantwortung lastete auf ihn, denn er hatte den Einsatz von knapp sechshundert Mitgliedern der Guardia Indígena zu koordinieren, um die Großveranstaltung mit rund 11 000 Teilnehmenden zu schützen. Dem Rat gehören alle elf indigenen Ethnien des Verwaltungsbezirks an, der sich südlich der Metropole Cali befindet. Die Provinz Cauca ist eine Zone Roja, eine Hochrisikozone, wo immer wieder Umwelt- und Menschenrechtsaktivist*innen ermordet werden – darunter viele Indigene.
Heftige Vorwürfe nach der Ermordung der indigenen Anführerin Carmelina im Cauca
“Empörung ohne Handeln bringt nichts”: Politisches Symbol des regionalen Widerstands des CRIC. Foto: Consejo Regional Indigena del Cauca (CRIC)
Nachdem das Friedensabkommen zwischen der FARC-EP und der kolumbianischen Regierung 2016 kurzzeitig für eine Hoffnung auf friedlichere Zeiten sorgte, ist die Gewalt längst wieder exorbitant angestiegen. Speziell indigene Völker sind Ziel der Gewalt von bewaffneten Gruppen. Der Regionale Indigene Rat im Cauca, kurz CRIC, verfasst deshalb einen Weckruf an die restliche Welt.
Von Regionaler Indigener Rat im Cauca, CRIC (Übersetzung: Lea Rux) / Mai 2024
Liebevoll bemalt und dekoriert. Auf dem Dach der Chivas, unverwüstlicher alter US-Schulbusse, wird oft Schweres transportiert – hier der Nachwuchs. Foto: Knut Henkel.
Cauca heißt der Verwaltungsbezirk Kolumbiens, in dem die indigenen Bewegung des Landes entstand. Die Guardia Indígena, eine Mischung aus Bildungs- und Selbstschutzorganisation, geht darauf zurück. Ihre Mitglieder werden immer öfter von Bewaffneten aus den Reihen von Organisationen angegriffen, denen funktionierende indigene Strukturen ein Dorn im Auge sind.
Am 16. März 2024 wurde bei einem Angriff im Indigenen Selbstverwaltungsgebiet Toribío die 52-jährige Carmelina Yule Paví von Mitgliedern der bewaffneten Gruppe Columna Dagoberto Ramos erschossen. Rodrigo UI Musicué und Edgar Tumiñá wurden durch Schüsse verletzt.