„Wir werden vor der Gewalt nicht kapitulieren“

Neue Angriffe auf die indigene Selbstverwaltung im Südwesten Kolumbiens

Das Wandgemälde in der Schule von Tacueyó, Cauca, erinnert an die Gemeinderätin Cristina Taquinas und die vier Guardias Indígenas / Kiwe Thegnas, die bei einem Angriff am 29.10.2019 von der Kolonne Dagoberto Ramos ermordet. Foto: Eliseth Peña.

Die indigene Bewegung des Departamento Cauca – organisiert im Indigenen Regionalrat CRIC –gilt als eine der stärksten Bewegungen Kolumbiens. Ihr Kern sind die 94 Reguardos Indígenas, indigene Selbstverwaltungsgebiete, deren Autonomierechte sie in jahrzehntelangen Kämpfen erstritt. Lange lebten die indigenen Gemeinden inmitten des bewaffneten Konflikts zwischen Guerillas, Paramilitärs und Staat, in dem alle Partei ihre Rechte missachteten. Seit dem Friedensschluss zwischen FARC-Guerilla und Regierung 2016 hat sich der Konflikt verwandelt. Er ist heute symbiotisch mit der Drogenwirtschaft verbunden. Verschiedenen bewaffneten Gruppen kämpfen untereinander um Gebietskontrolle und gegen die Selbstverwaltung (1). Dutzende indigene AmtsträgerInnen wurden ermordet.

Besonders deutlich zeigt sich der neuartige Konflikt und die Herausforderungen für die Bewegung in deren Hochburgen im Norden des Cauca. Im Resguardo Indígena von Tacueyó, das mit 16.000 EinwohnerInnen und 40 km² eines der größten und auch ältesten Selbstverwaltungsgebiet ist, kam es am 29.10.2019 zum bisher schwersten Angriff auf die indigene Autonomie.

Über die Bedrohungslage und die Reaktion der Bewegung sprachen wir mit Nora Taquinas, eine der sechs GemeinderätInnen von Tacueyó, und Arbei Noscue, Koordinator der Guardia Indígena des Selbstverwaltungsgebiets. Die Guardia Indígena, in der indigenen Sprache Nasa Yuwe auch als Kiwe Thegnas bezeichnet, ist ein kollektiver, selbstorganisierter Schutzmechanismus der indigenen Gemeinden des Cauca (2).

Martin Mäusezahl und Eliseth Peña / März 2021

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Ein leerer Stuhl für Präsident Duque war stets dabei

Interview mit Eduin Mauricio Capaz Lectamo von der ACIN

Foto: ACIN

Eduin Mauricio Capaz Lectamo koordiniert den Menschenrechtsbereich von ACIN, der „Vereinigung Indigener Räte“ im Norden der Provinz Cauca. Seine Aufgabe sieht er als Mandat der indigenen Gemeinden: Mit seiner Arbeit trägt er dazu bei, das Leben und die Menschenrechte zu schützen, und zwar für 22 indigene Territorien, die Teil der ACIN sind.

Interview von Gerold Schmidt / Februar 2021

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Kaffee oder Koka?

Selbstbestimmtes Wirtschaften als Alternative zur Drogen- und Gewaltökonomie

Beim Austausch mit den Kaffeebäuer*innen des indigenen Selbstverwaltungsgebietes von Chimborazo wird deutlich, dass die Preise für Kaffee unter den Produktionskosten liegen. – Foto: Eliseth Peña

Die indigene Bewegung des Cauca im Südwesten Kolumbiens hat viel erreicht (siehe Infobox unten). Aktuell werden einige der von der Bewegung erkämpften Selbstverwaltungsgebiete jedoch von einer tödlichen Kombination aus ökonomischer Marginalisierung, Drogenwirtschaft und bewaffneten Gruppierungen bedroht. Vom Staat im Stich gelassen, arbeiten die Gemeinden an selbstbestimmten Alternativen.

Eliseth Peña, Martin Mäusezahl / Juni 2020

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„Wir werden systematisch bedroht“

Juan Carlos Guampe. Foto: Knut Henkel

Cauca ist Kolumbiens gefährlichster Verwaltungsbezirk. Soziale und politische Aktivistinnen und Aktivisten leben dort überaus gefährlich, berichtet Juan Carlos Guampe. Er gehört dem Volk der Kokonuko an und arbeitet für die indigene Genossenschaft CENCOIC, die zum Dachverband CRIC gehört. Auch er wird bedroht.

von Knut Henkel / Oktober 2019

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Kein Ende des Konflikts: Nasa-Indigene wehren sich gegen erneute Angriffe

Im selbstverwaltungsgebiet Kite Kiwe wird mit einer Minga an Gerson Acosta erinnert. Foto: Minga de pensamiento prácticas decoloniales

Am 19. April ist der indigene Gemeindeführer Gerson Acosta nach einer Versammlung in seiner Gemeinde Kite Kiwe auf offener Straße erschossen worden. Kite Kiwe liegt nahe Popayán im Department Cauca im Südwesten Kolumbiens. Der 35-jährige Acosta war bekannt als Menschenrechtsverteidiger; zudem war er Repräsentant der Opfer aus der Gemeinde Naya, die 2001 nach einem Massaker durch Paramilitärs vertrieben worden waren. Acosta hatte immer wieder Ermittlungen über die Hintermänner des Massakers gefordert. Bereits am 23. März war ein weiteres Gemeindemitglied, Javier Oteca, ermordet worden. Die kolumbianische Ombudsstelle für Menschenrechte hat seit dem 1. Januar 2017 bereits 25 ermordete Führungspersönlichkeiten gezählt.

Darius Ossami / April 2017

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