Menschen aus den Indigenen Gemeinden und die Guardia Indígena kamen 2021 zur Unterstützung der Proteste nach Cali. Foto: Enrique Ramirez.
von Eliseth Libertad Peña Quistial / Dezember 2025
Auf die starken Proteste mehrheitlich junger und armer Menschen ab Mai 2021 reagierte die kolumbianische Regierung mit militärischer Repression. Zusätzlich griffen Zivilist*innen aus den reichen Stadtvierteln, die sich selbst als „anständige Menschen“ bezeichneten, die Demonstrationen mit Schusswaffen an. Die im →CRIC organisierten Gemeinden entschieden daher, die Protestierenden zu begleiten. Sie mobilisierten zu einer →Minga, in der 7.000 Indigene nach Cali zogen, dem Epizentrum der Proteste, unter ihnen mehrere hundert Mitglieder der →Guardia Indígena, dem unbewaffneten Selbstschutz der Gemeinden.
Ordnung ohne Waffen: Indigene in Kolumbien und ihr Leben im Ausnahmezustand
Trueque – Tauschmarkt in der überdachten Markthalle von Rioblanco, einem kleinen Bergdorf am Fuße des Vulkans Sotará im Südwesten Kolumbiens. Foto: Sara Meyer.
von Sara Meyer / Juli 2025
In den frühen Morgenstunden liegt ein feiner Nebel über Rioblanco, einem kleinen Bergdorf am Fuße des Vulkans Sotará im Südwesten Kolumbiens. Hier, in den Anden auf 2900 Metern, weht es scharf und kalt; die indigenen Dorfbewohner tragen selbst gewebte graue Ponchos aus Schafwolle und gestrickte Mützen mit Ohrenklappen, die Männer oft gefilzte schwarze Zylinder.
Am 16. März 2024 wurde bei einem Angriff im Indigenen Selbstverwaltungsgebiet Toribío die 52-jährige Carmelina Yule Paví von Mitgliedern der bewaffneten Gruppe Columna Dagoberto Ramos erschossen. Rodrigo UI Musicué und Edgar Tumiñá wurden durch Schüsse verletzt.
Neue Angriffe auf die indigene Selbstverwaltung im Südwesten Kolumbiens
Das Wandgemälde in der Schule von Tacueyó, Cauca, erinnert an die Gemeinderätin Cristina Taquinas und die vier Guardias Indígenas / Kiwe Thegnas, die bei einem Angriff am 29.10.2019 von der Kolonne Dagoberto Ramos ermordet. Foto: Eliseth Peña.
Die indigene Bewegung des Departamento Cauca – organisiert im Indigenen Regionalrat CRIC –gilt als eine der stärksten Bewegungen Kolumbiens. Ihr Kern sind die 94 Reguardos Indígenas, indigene Selbstverwaltungsgebiete, deren Autonomierechte sie in jahrzehntelangen Kämpfen erstritt. Lange lebten die indigenen Gemeinden inmitten des bewaffneten Konflikts zwischen Guerillas, Paramilitärs und Staat, in dem alle Partei ihre Rechte missachteten. Seit dem Friedensschluss zwischen FARC-Guerilla und Regierung 2016 hat sich der Konflikt verwandelt. Er ist heute symbiotisch mit der Drogenwirtschaft verbunden. Verschiedenen bewaffneten Gruppen kämpfen untereinander um Gebietskontrolle und gegen die Selbstverwaltung (1). Dutzende indigene AmtsträgerInnen wurden ermordet.
Besonders deutlich zeigt sich der neuartige Konflikt und die Herausforderungen für die Bewegung in deren Hochburgen im Norden des Cauca. Im Resguardo Indígena von Tacueyó, das mit 16.000 EinwohnerInnen und 40 km² eines der größten und auch ältesten Selbstverwaltungsgebiet ist, kam es am 29.10.2019 zum bisher schwersten Angriff auf die indigene Autonomie.
Über die Bedrohungslage und die Reaktion der Bewegung sprachen wir mit Nora Taquinas, eine der sechs GemeinderätInnen von Tacueyó, und Arbei Noscue, Koordinator der Guardia Indígena des Selbstverwaltungsgebiets. Die Guardia Indígena, in der indigenen Sprache Nasa Yuwe auch als Kiwe Thegnas bezeichnet, ist ein kollektiver, selbstorganisierter Schutzmechanismus der indigenen Gemeinden des Cauca (2).
Tobi lebt in der Kleinstadt Toribio im Norden des Cauca, die lange Zeit am härtesten umkämpft war zwischen FARC-Guerilla und Militär. Er ist seit 14 Jahren bei der Guardia Indígena, gewissermaßen seit ihrer Gründung im Jahr 2001, und war für mehrere Jahre auch ihr Koordinator in Toribio. Der Fotojournalist Jonas Wresch traf ihn im Mai 2018 in Toribio.
„Das nennen sie empörend (weinender Soldat) und das nennen sie Demokratie (verletzter Indigener)“ – Foto: Knut Henkel
von Knut Henkel / Januar 2019
Cerro Berlín heißt der Berg im Norden des Cauca. Für die Nasa ist er heilig, für das kolumbianische Militär von strategischer Bedeutung, weshalb sich auf dem Gipfel ein kleiner Militärposten mit weit reichenden Funkantennen befindet. Dagegen haben indigene Organisationen immer wieder protestiert – bis sie im Juli 2012 den heiligen Berg kurzerhand demilitarisierten. Friedlich, aber nachdrücklich.