Aus der Doku „Der letzte Kommandant der Quintines“
„Wir waren nicht verrückt, nein, wir hatten eine Aufgabe und die hat uns Manuel Quintín Lame aufgetragen“, meint Dalila alias María Deisy Quistial Chantre. Dalila war Marías Kampfname im Movimiento Armado Quintín Lame (MAQL), der einzigen indigenen Guerilla Kolumbiens.
Die Guardia wurde als unbewaffnete Selbstverteidigung geschaffen, um indigene Rechte zu schützen. Auch beim landesweiten Streik ist sie sehr aktiv
Frauen der Guardia Indígena bei einer Demonstration im Rahmen des landesweiten Streiks. Foto: CRIC
Die Guardia Indígena (Indigene Wache), eine der wichtigsten Organisationen Kolumbiens, ist an den Tagen der Mobilisierung während des sozialen Aufstandes zwischen April und Juli dieses Jahres sehr aktiv gewesen. Sie besteht aus rund 70.000 Mitgliedern. Ihr Koordinator, Lucho Acosta, sprach vom Cauca aus mit dem Nachrichtenportal Sputnik.
Angreifer uniformiert in weißen T-Shirts. Polizei unterstützt sie offenbar. Präsident Duque ordnet weitere Militarisierung in Cali an
„Wir sind die Beschützer der sozialen Proteste“, sagt der Cric-Sprecher Giovanny Yule. Foto: CRIC
Cali. Am Sonntag haben zivile Personen in Cali auf eine Gruppe des indigenen Regionalrats des Cauca (Cric) geschossen und dabei zwölf von ihnen verletzt. Einer der Videoclips, die die Ereignisse dokumentieren, zeigt einen Polizisten inmitten der Angreifer, während diese schießen.
Neue Angriffe auf die indigene Selbstverwaltung im Südwesten Kolumbiens
Das Wandgemälde in der Schule von Tacueyó, Cauca, erinnert an die Gemeinderätin Cristina Taquinas und die vier Guardias Indígenas / Kiwe Thegnas, die bei einem Angriff am 29.10.2019 von der Kolonne Dagoberto Ramos ermordet. Foto: Eliseth Peña.
Die indigene Bewegung des Departamento Cauca – organisiert im Indigenen Regionalrat CRIC –gilt als eine der stärksten Bewegungen Kolumbiens. Ihr Kern sind die 94 Reguardos Indígenas, indigene Selbstverwaltungsgebiete, deren Autonomierechte sie in jahrzehntelangen Kämpfen erstritt. Lange lebten die indigenen Gemeinden inmitten des bewaffneten Konflikts zwischen Guerillas, Paramilitärs und Staat, in dem alle Partei ihre Rechte missachteten. Seit dem Friedensschluss zwischen FARC-Guerilla und Regierung 2016 hat sich der Konflikt verwandelt. Er ist heute symbiotisch mit der Drogenwirtschaft verbunden. Verschiedenen bewaffneten Gruppen kämpfen untereinander um Gebietskontrolle und gegen die Selbstverwaltung (1). Dutzende indigene AmtsträgerInnen wurden ermordet.
Besonders deutlich zeigt sich der neuartige Konflikt und die Herausforderungen für die Bewegung in deren Hochburgen im Norden des Cauca. Im Resguardo Indígena von Tacueyó, das mit 16.000 EinwohnerInnen und 40 km² eines der größten und auch ältesten Selbstverwaltungsgebiet ist, kam es am 29.10.2019 zum bisher schwersten Angriff auf die indigene Autonomie.
Über die Bedrohungslage und die Reaktion der Bewegung sprachen wir mit Nora Taquinas, eine der sechs GemeinderätInnen von Tacueyó, und Arbei Noscue, Koordinator der Guardia Indígena des Selbstverwaltungsgebiets. Die Guardia Indígena, in der indigenen Sprache Nasa Yuwe auch als Kiwe Thegnas bezeichnet, ist ein kollektiver, selbstorganisierter Schutzmechanismus der indigenen Gemeinden des Cauca (2).
Interview mit Eduin Mauricio Capaz Lectamo von der ACIN
Foto: ACIN
Eduin Mauricio Capaz Lectamo koordiniert den Menschenrechtsbereich von ACIN, der „Vereinigung Indigener Räte“ im Norden der Provinz Cauca. Seine Aufgabe sieht er als Mandat der indigenen Gemeinden: Mit seiner Arbeit trägt er dazu bei, das Leben und die Menschenrechte zu schützen, und zwar für 22 indigene Territorien, die Teil der ACIN sind.
Tobi lebt in der Kleinstadt Toribio im Norden des Cauca, die lange Zeit am härtesten umkämpft war zwischen FARC-Guerilla und Militär. Er ist seit 14 Jahren bei der Guardia Indígena, gewissermaßen seit ihrer Gründung im Jahr 2001, und war für mehrere Jahre auch ihr Koordinator in Toribio. Der Fotojournalist Jonas Wresch traf ihn im Mai 2018 in Toribio.
„Das nennen sie empörend (weinender Soldat) und das nennen sie Demokratie (verletzter Indigener)“ – Foto: Knut Henkel
von Knut Henkel / Januar 2019
Cerro Berlín heißt der Berg im Norden des Cauca. Für die Nasa ist er heilig, für das kolumbianische Militär von strategischer Bedeutung, weshalb sich auf dem Gipfel ein kleiner Militärposten mit weit reichenden Funkantennen befindet. Dagegen haben indigene Organisationen immer wieder protestiert – bis sie im Juli 2012 den heiligen Berg kurzerhand demilitarisierten. Friedlich, aber nachdrücklich.
Lediglich mit einem Stock bewaffnet, der mit bunten Bändern verziert ist, verteidigt die Guardia Indígena ihr Territorium, ihre Autonomie und ihren Lebensunterhalt.