Die Uni als Teil des Kampfes

Die Universidad Autónoma Indígena Intercultural ist ein Ort der Selbstbestimmung der indigenen Bewegung im Cauca/Kolumbien

Das Wandbild am UAIIN-Hauptsitz symbolisiert die Kämpfen der indigenen Bewegung um Land. Foto: Martin Mäusezahl

Von Martin Mäusezahl und Eliseth Peña / Mai 2020

Vieles ist anders an dieser Uni. Im Zentrum der UAIIN, der Interkulturellen Indigenen Autonomen Universität, in Kolumbiens südwestlicher Provinz Cauca, steht das aus den Weltsichten und Kämpfen der indigenen Gemeinden entstehende Wissen. Statt Dozent*innen und Professor*innen gibt es dinamizadores-orientadores, was so viel wie Bewegungs- und Richtungsgeber*in bedeutet. Auch die Student*innen – aktuell sind es rund 1.000 – heißen dinamizadores, auch sie bringen die Prozesse in Bewegung. Das Bemerkenswerteste jedoch ist, dass hier eine Bewegung marginalisierter kleinbäuerlicher, indigener Gemeinden (siehe Kasten), die inmitten eines bewaffneten Konflikts für Land und Selbstbestimmung kämpft, ihre eigene Universität aufgebaut und deren staatliche Anerkennung durchgesetzt hat. »Die UAIIN ist integraler Bestandteil der indigenen Bewegung und eine unserer Widerstandsstrategien«, erklärt Rosalba Ipia, die politische Rätin der Uni. »Es gibt sie durch unsere Kämpfe.«

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»Wir warten nicht auf unsere Ehemänner«

Kaffeeanbau und Emanzipation im Cauca/Kolumbien

Die Kaffeebäuerin Aurora Campo ist Teil der Kooperative CENCOIC. Foto: Kaffeekollektiv Aroma Zapatista

Die Situation der Frauen innerhalb der indigenen Bewegung der Provinz Cauca im Südwesten Kolumbiens ist im Umbruch: Es fehlt noch einiges zu wirklicher Gleichberechtigung. Gleichzeitig haben die Frauen befreiende Prozesse in Gang gesetzt. Das zeigt sich auch in der CENCOIC, der zentralen Kaffeekooperative der Bewegung.

von Martin Mäusezahl / Januar 2020

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„Respekt für meinen Körper, mein Land, mein territorio”

Frauen in der indigenen Bewegung im Cauca, Kolumbien

Nora Taquinás (26), Kaffeebäuerin in der Kooperative CENCOIC und stellvertretende Gouverneurin des Resguardo Tacueyó. Foto: Kaffeekollektiv Aroma Zapatista

Ein Blick auf die Situation der Frauen innerhalb der starken indigenen Bewegung im Cauca bietet ein ambivalentes Bild: Die Bewegung ist für sie ein Ort, in dem sie Emanzipation verwirklichen können, in dem sie andererseits aber auch auf Machismo und Widerstand stoßen. Probleme, aktuelle Themen sowie grundlegende Herausforderungen der indigenen Frauen(organisierung) wurden exemplarisch auf einem ihrer Treffen deutlich.

Kaffeekollektiv Aroma Zapatista / Dezember 2019

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„Wir indigenen Frauen mussten Widerstand innerhalb des Widerstands leisten“

Die Koordinatorin des Programa Mujer, Nelly Valencia Yule, spricht beim Treffen zum Thema „Indgene Justiz und Gewalt gegen Frauen” – Foto: Kaffeekollektiv Aroma Zapatista

Der Fokus unserer letzten Reise in die Selbstverwaltungsgebiete der indigenen Bewegung im Cauca, Kolumbien, war die Situation und die Organisierung der Frauen in der Region. Dazu haben wir Gesprächen mit Frauen geführt und an einem Treffen des Programa Mujer (Frauen-Programms) teilgenommen. Hierdurch erfuhren wir viel über Erfolge und Schwierigkeiten ihres beeindruckenden Kampfes innerhalb einer ebenfalls beeindruckenden indigenen Bewegung.

Kaffeekollektiv Aroma Zapatista / November 2019

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Minga gewinnt Kräftemessen – Präsident Duque gibt nach

Foto: Colombia Informa.

Die aktuelle Minga (Proteste indigener, kleinbäuerlicher und sozialer Bewegungen) im Südwesten Kolumbiens hat eine Vereinbarung mit der kolumbianischen Regierung erreicht. Sie konnte diese dazu verpflichten, etwa eine Billion kolumbianische Pesos (umgerechnet ca. 300 Millionen Euro) bereitzustellen, um die Lebensbedingungen in der Region zu verbessern. Aufgrund der unterzeichneten Vereinbarung, die auch den Besuch von Präsident Duque im Departamento Cauca am 9. April vorsah, wurde die von der Minga blockierte Schnellstraße Panamericana am 5. April wieder freigegeben. Repräsentant*innen der Minga zogen gegenüber Colombia Informa ein positives Fazit.

von Colombia Informa/poonal / April 2019

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Fluch des Reichtums

Zuckerrohr-Fabrik im Cauca – Foto: Jochen Schüller

von Jochen Schüller / Januar 2019

Das Land im Cauca ist nicht nur fruchtbar, sondern auch reich an Bodenschätzen. Daher drehen sich die meisten Konflikte in der Region um Land und Rohstoffe. Großgrundbesitz und Agro-Industrie haben sich die fruchtbaren Ebenen des Cauca-Tals angeeignet. Nationale und internationale Rohstoffkonzerne wollen Mineralien und Gold ausbeuten, aber auch Wasser und Wälder sind im Visier der Konzerne zur kommerziellen Trinkwasser- oder Energiegewinnung oder für die Papierproduktion. Auf der anderen Seite steht die lokale Bevölkerung: kleinbäuerliche, indigene und afrokolumbianische Gemeinschaften.

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Die Kleinproduzent*innen direkt unterstützen

Foto: Jochen Schüller

Magalí Hoyos arbeitet im Kaffee-Handel der „Zentralen Genossenschaft der Indigenen im Cauca“ (CENCOIC). Die CENCOIC will die Entwicklung der Wirtschaft der indigenen Gemeinschaften unterstützen und stärken, dabei spielen Kaffee-Anbau und -Verkauf eine zentrale Rolle.

Die CENCIOC ist Teil der Strukturen des CRIC, daher sind hier auch Mitarbeiter*innen aus allen indigenen Gruppen des Cauca beschäftigt. Die Finanz-Fachfrau bei der CENCOIC ist von der Gemeinschaft der Misak, eine andere Mitarbeiterin ist Nasa. Magalí ist Yanacona.

Ein Interview von Jochen Schüller / Januar 2019

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Manuel Quintín Lame Chantre (1880-1967)

Manuel Quintin Lame Chantre (Mitte), 1915, zusammen mit Mitkämpfern und Polizisten, die ihn verhaftet haben.

von Martin Mäusezahl /Januar 2019

„Einer der zentralen Gründe, die die Weißen dafür haben, uns in der wirtschaftlichen Unterdrückung zu halten, die wir erleiden, ist – noch vor dem Wunsch, sich unsere Arbeitskraft anzueignen und von dem Schweiß auf unserer Stirn zu leben – die Angst, dass wir eines Tages stark werden, fähig dazu, mit aller Macht unsere Rechte einzufordern und uns das Land zurück zu nehmen, das uns gewaltsam geraubt wurde.“ – Manuel Quintín Lame (Juni 1916)

Manuel Quintín Lame Chantre war indigener Aktivist und Rechtsexperte aus dem Südwesten Kolumbiens. Dort führte er den Aufbruch indigenen Widerstands an, der bis heute prägend für die indigene Bewegung Kolumbiens ist.

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