Territoriale Hoheitsrechte in Umwelt- und Wirtschaftsfragen

Kurzinfo

Gemeindeladen im Selbstverwaltungsgebiet San Francisco. Foto: Kaffeekollektiv Aroma Zapatista

von Eliseth Libertad Peña Quistial und Martin Mäusezahl / Dezember 2025

Die im CRIC organisierten Gemeinden entwickelten zu Beginn der 2000er-Jahre das Rechtskonzept der territorialen Hoheitsrechte in Umwelt- und Wirtschaftsfragen (Autoridad Territorial Económica y Ambiental, ATEA). Den Anspruch, dass die Gemeinden autonom verbindliche Regelungen in ihren Territorios setzen können, begründeten sie einerseits mit dem Derecho Mayor, einem der kolonialen und nationalstaatlichen Rechtssetzung vorgängigen höheren Recht, das sie als bereits vorher etablierte Gesellschaften innehätten. Andererseits lassen sich diese Hoheitsrechte auch aus internationalen Verträgen wie der ILO-Konvention 169 sowie aus der kolumbianischen Verfassung ableiten.

Der Staat weigerte sich lange, diese Selbstverwaltungs­rechte der indigenen Gemeinden anzuerkennen und gesetzlich zu reglementieren. Daher verlieh der Leitende Rat des CRIC 2018 den indigenen Selbstverwaltungen eigenhändig die ATEA-Hoheitsrechte und legitimierte dies mit dem Derecho Mayor. Die indigenen Gemeinderäte übernahmen anschließend in ihren Gebieten die Kontrolle über Wasser und Wald und unterbanden Bergbauaktivitäten. Diese eigene Kompetenz- und Rechtsetzung durch die CRIC-Gemeinden wurde 2024 von der Regierung Petro durch ein Gesetzesdekret auch staatlicherseits anerkannt.

Auf Grundlage der ATEA können die Selbstverwaltungen im CRIC nun mittels eigener Gesetzgebung die wirtschaftliche Entwicklung ihrer Gemeinden bestimmen und mit öffentlichen Mitteln fördern. Ebenso haben sie das Recht, Umwelt und Territorio nach eigenen Vorstellungen zu schützen und hierfür eigene rechtliche Bestimmungen festzulegen. Diese Gesetze stehen gleichwertig neben den vom kolumbianischen Staat erlassenen Gesetzen. Sie müssen sich aber – so urteilte das kolumbianische Verfassungsgericht im Juli 2025 – der Verfassung unterordnen.


→ Begriffe mit einem Pfeil werden im Glossar erklärt.


Eliseth Libertad Peña Quistial ist →Nasa des →Cabildo Wejxia Kiwe Quintín Lame sowie Kommunikationswissenschaftlerin, Journalistin, Dokumentarfilmerin und Archivmitarbeiterin in der Stiftung Fundación Sol y Tierra.

Martin Mäusezahl ist Teil des Kaffeekollektivs Aroma Zapatista und hat für das Kollektiv 2025 die indigenen Gemeinden des Cauca erneut besucht.


Dieser Infotext ist Teil der Broschüre „Land, Kultur und Autonomie – Die indigene Bewegung des Cauca (Kolumbien), Band 2“, die im Dezember 2025 gemeinsam von Transgalaxia e.V. und der Zeitschrift ila veröffentlicht wurde. Sie kann beim Kaffeekollektiv Aroma Zapatista und bei der kollektiven Kaffeerösterei la gota negra bezogen werden.


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