Kurzinfo

Martin Mäusezahl und Eliseth Libertad Peña Quistial / Dezember 2025
Die im →CRIC organisierten Gemeinden betreiben heute weitgehend autonom hunderte Vor-, Grund-, weiterführende und Berufsschulen, die von zehntausenden Schüler*innen besucht werden. Bereits während der Gründung des CRIC war eine an den eigenen Kulturen orientierte, selbstbestimmte Bildung ein zentrales Anliegen. So wurde 1974 die Abteilung für zweisprachige Bildung (Programa de Educación Bilingüe, PEBI–CRIC) gegründet. Sie baute jenseits des staatlichen Systems Schulen auf, in denen neben Spanisch auch in den jeweiligen indigenen Sprachen und entsprechend der eigenen Weltvorstellungen unterrichtet wurde. Auf Basis der dort gemachten Erfahrungen schuf die PEBI eine eigene Lehrer*innen-Ausbildung und entwickelte eigene pädagogische Konzepte. Da die Schulen wegen fehlender staatlicher Anerkennung von den jeweiligen Gemeinden selbst finanziert werden mussten, entstanden zunächst nur einige wenige Schulen.
Auf politischer Ebene forderte die →Pueblos Indígenas gleichzeitig, die Anerkennung ihres Rechts auf selbstbestimmte Bildungssysteme und deren öffentliche Finanzierung. Die Verfassung von 1991 schuf hierfür die Grundlage. Es brauchte jedoch noch viel Protest, bis ab 2010 eine gesetzliche Konkretisierung erfolgte und mit dem Aufbau der sogenannten Selbstbestimmten Indigenen Bildungssysteme (Sistema Educativo Indígena Propio, SEIP) begonnen werden konnte. Dieser Prozess wurde von den Regierungen jedoch immer wieder behindert. Im April 2025 erließ die Regierung Petro allerdings ein mit den indigenen Selbstverwaltungen ausgearbeitetes Gesetzesdekret, das das SEIP als eigenständiges und gleichwertiges öffentliches Bildungssystem anerkennt und den Selbstverwaltungen dabei volle Autonomie und staatliche Finanzierung garantiert. Im Rahmen der von der PEBI und der staatlichen Familienbehörde erarbeiteten Richtlinien können die Gemeinden überdies seit 2023 die Betreuung von Kindern unter fünf Jahren nach eigenen Vorstellungen durchführen.
Im Jahr 2003 gründeten die indigenen Gemeinden des CRIC außerdem die Interkulturelle Indigene Autonome Universität (Universidad Autónoma Indígena Intercultural, UAIIN). Dies geschah ohne staatliche Anerkennung und in Eigenfinanzierung. Erst im Jahr 2018 wurde die UAIIN zur öffentlichen Hochschule ernannt. Heute studieren dort rund 1200 Studierende in zehn Studiengängen und zwei schulischen Berufsausbildungen in den Bereichen indigene Selbstverwaltung, eigenes Recht, interkulturelle Medizin, Gemeindepädagogik, Kommunikationswissenschaft, eigene Wirtschaft und Wiederbelebung der Mutter Erde.
→ Begriffe mit einem Pfeil werden im Glossar erklärt.
Eliseth Libertad Peña Quistial ist →Nasa des →Cabildo Wejxia Kiwe Quintín Lame sowie Kommunikationswissenschaftlerin, Journalistin, Dokumentarfilmerin und Archivmitarbeiterin in der Stiftung Fundación Sol y Tierra.
Martin Mäusezahl ist Teil des Kaffeekollektivs Aroma Zapatista und hat für das Kollektiv 2025 die indigenen Gemeinden des Cauca erneut besucht.
Dieser Infotext ist Teil der Broschüre „Land, Kultur und Autonomie – Die indigene Bewegung des Cauca (Kolumbien), Band 2“, die im Dezember 2025 gemeinsam von Transgalaxia e.V. und der Zeitschrift ila veröffentlicht wurde. Sie kann beim Kaffeekollektiv Aroma Zapatista und bei der kollektiven Kaffeerösterei la gota negra bezogen werden.
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