Fluch des Reichtums

Zuckerrohr-Fabrik im Cauca – Foto: Jochen Schüller

von Jochen Schüller / Januar 2019

Das Land im Cauca ist nicht nur fruchtbar, sondern auch reich an Bodenschätzen. Daher drehen sich die meisten Konflikte in der Region um Land und Rohstoffe. Großgrundbesitz und Agro-Industrie haben sich die fruchtbaren Ebenen des Cauca-Tals angeeignet. Nationale und internationale Rohstoffkonzerne wollen Mineralien und Gold ausbeuten, aber auch Wasser und Wälder sind im Visier der Konzerne zur kommerziellen Trinkwasser- oder Energiegewinnung oder für die Papierproduktion. Auf der anderen Seite steht die lokale Bevölkerung: kleinbäuerliche, indigene und afrokolumbianische Gemeinschaften.

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Die Kleinproduzent*innen direkt unterstützen

Foto: Jochen Schüller

Magalí Hoyos arbeitet im Kaffee-Handel der „Zentralen Genossenschaft der Indigenen im Cauca“ (CENCOIC). Die CENCOIC will die Entwicklung der Wirtschaft der indigenen Gemeinschaften unterstützen und stärken, dabei spielen Kaffee-Anbau und -Verkauf eine zentrale Rolle.

Die CENCIOC ist Teil der Strukturen des CRIC, daher sind hier auch Mitarbeiter*innen aus allen indigenen Gruppen des Cauca beschäftigt. Die Finanz-Fachfrau bei der CENCOIC ist von der Gemeinschaft der Misak, eine andere Mitarbeiterin ist Nasa. Magalí ist Yanacona.

Ein Interview von Jochen Schüller / Januar 2019

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Cambio de Mano – gegenseitige Hilfe

Foto: Jochen Schüller

von Jochen Schüller / Januar 2019

Um zu den Kaffeebäuerinnen und -bauern zu gelangen, welche die CENCOIC mit Kaffee beliefern, muss ich eine mehrstündige Autofahrt von Popayán in den Norden des Cauca unternehmen. CENCOIC-Mitarbeiterin Magalí Hoyos und Agrartechniker Víctor Sabogal begleiten mich in den Norden des Cauca. Die Fahrt von Popayán, der Hauptstadt des Departements, über die Panamericana ist kurz vor der Stadt Santander de Quilichao zu Ende. Über Nebenstraßen geht es weiter nach Osten in die Berge der mittleren Anden-Kordillere. Irgendwann wäre es ohne Allradantrieb nicht mehr weiter gegangen. Der Regen hat die unbefestigte Straße in eine Schlammpiste verwandelt. Das Strukturproblem der Region wird einem hier plastisch vor Augen geführt. Die Wege sind weit, die Ortschaften schwer zugänglich. Wie sollen die Kleinbauern und -bäuerinnen von dort oben ihre Waren zu den Märkten ins Tal bringen?

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Manuel Quintín Lame Chantre (1880-1967)

Manuel Quintin Lame Chantre (Mitte), 1915, zusammen mit Mitkämpfern und Polizisten, die ihn verhaftet haben.

von Martin Mäusezahl /Januar 2019

„Einer der zentralen Gründe, die die Weißen dafür haben, uns in der wirtschaftlichen Unterdrückung zu halten, die wir erleiden, ist – noch vor dem Wunsch, sich unsere Arbeitskraft anzueignen und von dem Schweiß auf unserer Stirn zu leben – die Angst, dass wir eines Tages stark werden, fähig dazu, mit aller Macht unsere Rechte einzufordern und uns das Land zurück zu nehmen, das uns gewaltsam geraubt wurde.“ – Manuel Quintín Lame (Juni 1916)

Manuel Quintín Lame Chantre war indigener Aktivist und Rechtsexperte aus dem Südwesten Kolumbiens. Dort führte er den Aufbruch indigenen Widerstands an, der bis heute prägend für die indigene Bewegung Kolumbiens ist.

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Kaffee statt Koka

Foto: Jochen Schüller

Víctor Sabogal ist Agraringenieur bei der CENCOIC und berät die Kaffeeproduzent*innen zu landwirtschaftlichen Fragen sowie in technischen und organisatorischen Dingen des Kaffeeanbaus.

Ein Interview von Jochen Schüller / Januar 2019

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Wenn sie 50 sind, sind wir 1000

Foto: Jonas Wresch

Tobi lebt in der Kleinstadt Toribio im Norden des Cauca, die lange Zeit am härtesten umkämpft war zwischen FARC-Guerilla und Militär. Er ist seit 14 Jahren bei der Guardia Indígena, gewissermaßen seit ihrer Gründung im Jahr 2001, und war für mehrere Jahre auch ihr Koordinator in Toribio. Der Fotojournalist Jonas Wresch traf ihn im Mai 2018 in Toribio.

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Nasa Estereo

Foto: Jochen Schüller

Das Radio ist für die Indigenen im Cauca das wohl wichtigste Kommunikationsmittel. Es gibt mehrere Radios, die die Gemeinschaften selbst verwalten und betreiben. Jochen Schüller besuchte mehrere Radios und sprach bei „Nasa Estereo“ in Toribio mit Trino, Santiago, Manuel und Claribel.

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Kolumbien – wunderschön und tief gespalten

von Jochen Schüller / Januar 2019

Kolumbien ist ein wunderschönes Land zwischen tropischen Amazonas-Tiefebenen und schneebedeckten Andengipfeln, touristischer Karibik- und unberührter Pazifikküste. Multikulturell und multiethnisch mit einer kleinen Schicht weißer, europäisch-stämmiger Bevölkerung und einer großen Mehrheit von Mestiz*innen („Mischlinge“ aus Weißen und Indigenen ), der afrokolumbianischer Bevölkerung (Nachfahren der ehemaligen Sklav*innen ca. 10,6%) sowie den Indigenen (Ureinwohner*innen ca. 3,4 %). Die 102 indigenen pueblos („Völker“) sprechen 65 verschiedene Sprachen.

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Cerro Berlín: Symbol für indigene Autonomie

„Das nennen sie empörend (weinender Soldat) und das nennen sie Demokratie (verletzter Indigener)“ – Foto: Knut Henkel

von Knut Henkel / Januar 2019

Cerro Berlín heißt der Berg im Norden des Cauca. Für die Nasa ist er heilig, für das kolumbianische Militär von strategischer Bedeutung, weshalb sich auf dem Gipfel ein kleiner Militärposten mit weit reichenden Funkantennen befindet. Dagegen haben indigene Organisationen immer wieder protestiert – bis sie im Juli 2012 den heiligen Berg kurzerhand demilitarisierten. Friedlich, aber nachdrücklich.

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Solidarischer Handel(n)

Foto: Kaffeekollektiv Aroma Zapatista

Das Kaffeekollektiv Aroma Zapatista handelt seit mehreren Jahren mit Kaffee der aufständischen Zapatist*innen aus Chiapas (Mexiko) und verkauft seit Dezember 2015 auch Kaffee der indigenen Bewegung aus dem Cauca (Kolumbien). Aroma Zapatista will mit dem solidarischen Kaffeehandel mehr erreichen, als nur faire Preise an die indigenen Kleinbäuer*innen zu zahlen.

Jochen Schüller sprach mit Kerstin Trubert, einem von sechs Mitgliedern des Kollektivs. 2017 und 2018 war Kerstin Trubert im Cauca.

Januar 2019

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