Kurzinfo

Martin Mäusezahl und Eliseth Libertad Peña Quistial / Dezember 2025
Indigenes Gesundheitswissen wird bis heute abgewertet, geraubt und zerstört. Deshalb und weil durch staatliche Vernachlässigung viele Menschen in den Gemeinden an heilbaren Krankheiten starben, begann der →CRIC Ende der 1970er-Jahre, eigene Gesundheitsstrukturen aufzubauen. Im Jahr 1981 beschloss der Regionalkongress des CRIC, eine Gesundheitsabteilung zu schaffen und definierte gesundheitspolitische Grundsätze: eigene, dezentrale Gesundheitsstrukturen schaffen, indigenes Wissen und Techniken anwenden und stärken, eigene Gesundheitsfachkräfte ausbilden sowie vom Staat Anerkennung und Ressourcen dafür einfordern.
Die Verfassung von 1991 schuf hierfür ein widersprüchliches Szenario. Einerseits leitet sich aus ihr ab, dass der Staat das Recht der →Pueblos Indígenas auf selbstbestimmte Gesundheitssysteme anerkennen muss. Anderseits ermöglichte sie, dass das kolumbianische Gesundheitssystem in den 1990er-Jahren immer weiter privatisiert wurde. Der CRIC lehnte dies ab, nutzte aber gleichzeitig diese Dynamik, um eigene Gesundheitsstrukturen aufzubauen. Im Jahr 1997 gründete er die Gesundheitsversicherung AIC und in den Folgejahren medizinische Dienstleister für die Versorgung der Versicherten. Die AIC steht allen Bewohner*innen der indigenen Gemeinden offen und hat heute 330 000 Mitglieder, für die sie Zuschüsse vom Staat erhält. Sie ist eine öffentliche Körperschaft und wird von den 138 Gemeinderäten des CRIC geleitet.
Parallel hierzu artikulierten indigene Organisationen Mitte der 1990er-Jahre die Forderung nach einem selbstbestimmten indigenen interkulturellen Gesundheitssystem (Sistema Indígena de Salud Propio e Intercultural, SISPI). Dies sollte staatlich finanziert, eigenständig, gleichberechtigt und im Austausch mit dem allgemeinen Gesundheitssystem existieren. Unter dem Druck starker Proteste gab der Staat 2014/15 den Weg hierfür frei. Eine auf der eigenen Weltsicht basierende, selbstbestimmte Gesundheitsversorgung wurde als staatlich garantiertes Grundrecht der indigenen Gemeinden anerkannt. Die indigenen Gesundheitsversicherer und -dienstleister sollten in neue Institutionen innerhalb des SISPI umgewandelt werden. Auch auf zwei CRIC-Kongressen wurde ein solcher Übergang beschlossen. Dieser Systemwechsel stieß von staatlicher Seite, aber auch in den indigenen Gesundheitsinstitutionen auf Hindernisse. Im Jahr 2025 beschloss der Leitende Rat des CRIC einen neuen Anlauf und eine starke Mobilisierung erreichte, dass die Regierung das SISPI zu einem eigenständigen öffentlichen Gesundheitswesen machte und gesetzlich ausgestaltete.
→ Begriffe mit einem Pfeil werden im Glossar erklärt.
Eliseth Libertad Peña Quistial ist →Nasa des →Cabildo Wejxia Kiwe Quintín Lame sowie Kommunikationswissenschaftlerin, Journalistin, Dokumentarfilmerin und Archivmitarbeiterin in der Stiftung Fundación Sol y Tierra.
Martin Mäusezahl ist Teil des Kaffeekollektivs Aroma Zapatista und hat für das Kollektiv 2025 die indigenen Gemeinden des Cauca erneut besucht.
Dieser Infotext ist Teil der Broschüre „Land, Kultur und Autonomie – Die indigene Bewegung des Cauca (Kolumbien), Band 2“, die im Dezember 2025 gemeinsam von Transgalaxia e.V. und der Zeitschrift ila veröffentlicht wurde. Sie kann beim Kaffeekollektiv Aroma Zapatista und bei der kollektiven Kaffeerösterei la gota negra bezogen werden.
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