Selbstbestimmte Gesundheit

Kurzinfo

Logo des „Programa de Salud“, der Gesundheitsabteilung des CRIC – Foto: CRIC.

Martin Mäusezahl und Eliseth Libertad Peña Quistial / Dezember 2025

Indigenes Gesundheitswissen wird bis heute abgewertet, geraubt und zerstört. Deshalb und weil durch staatliche Vernachlässigung viele Menschen in den Gemeinden an heilbaren Krankheiten starben, begann der CRIC Ende der 1970er-Jahre, eigene Gesundheitsstrukturen aufzubauen. Im Jahr 1981 beschloss der Regionalkongress des CRIC, eine Gesundheitsabteilung zu schaffen und definierte gesundheitspolitische Grundsätze: eigene, dezentrale Gesundheitsstrukturen schaffen, indigenes Wissen und Techniken anwenden und stärken, eigene Gesundheitsfachkräfte ausbilden sowie vom Staat Anerkennung und Ressourcen dafür einfordern.

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Indigene Rechtsprechung

Kurzinfo

Zerstörung der Tatwaffe durch die Guardia Indígena – San Lorenzo Caldono, Cauca. Foto: CRIC

Martin Mäusezahl und Eliseth Libertad Peña Quistial / Dezember 2025

Ende September 2025 wurde im Selbstverwal­tungsgebiet San Lorenzo de Caldono, Cauca, ein 24-jähriges Gemeindemitglied, das einer bewaffneten Gruppe angehörte, von der Guardia Indígena festgenommen und der Selbstverwaltung übergeben. Kurz zuvor hatte er ein anderes Gemeindemitglied erschossen. Die Selbstverwaltung berief eine Gemeinde­versammlung ein, die wenige Tage später gemäß der Nasa-Rechtsvorschriften auf Spanisch und Nasa Yuwe durchgeführt wurde. Hier wurde betont, dass diese Tat die gesamte Gemeinde tief getroffen habe. Sie stehe für die zunehmende Rekrutierung der Jugend. Bei der Urteilsfindung gehe es daher auch darum, das Gleichgewicht im Territorio wiederherzustellen, den Schmerz zu heilen und angesichts der Politik des Todes eine Politik des Lebens zu stärken (mehr dazu). Die Gemeindeversammlung verurteilte den Täter zu 40 Jahren Haft, ordnete die Zerstörung der Tatwaffe an und beschloss Rituale zur kollektiven Heilung.

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Territoriale Hoheitsrechte in Umwelt- und Wirtschaftsfragen

Kurzinfo

Gemeindeladen im Selbstverwaltungsgebiet San Francisco. Foto: Kaffeekollektiv Aroma Zapatista

von Eliseth Libertad Peña Quistial und Martin Mäusezahl / Dezember 2025

Die im CRIC organisierten Gemeinden entwickelten zu Beginn der 2000er-Jahre das Rechtskonzept der territorialen Hoheitsrechte in Umwelt- und Wirtschaftsfragen (Autoridad Territorial Económica y Ambiental, ATEA). Den Anspruch, dass die Gemeinden autonom verbindliche Regelungen in ihren Territorios setzen können, begründeten sie einerseits mit dem Derecho Mayor, einem der kolonialen und nationalstaatlichen Rechtssetzung vorgängigen höheren Recht, das sie als bereits vorher etablierte Gesellschaften innehätten. Andererseits lassen sich diese Hoheitsrechte auch aus internationalen Verträgen wie der ILO-Konvention 169 sowie aus der kolumbianischen Verfassung ableiten.

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»Die Bildung in die eigene Hand nehmen«

Selbstverwaltete Bildung im Südwesten Kolumbiens

Lernen am Beispiel und durch Anschauung ist einer der zentralen Grundsätze der „eigenen Bildung“ der indigene Bewegung. Die Schüler*innen gehen daher zum Unterricht oft raus in die Gemeinde – Foto: Eliseth Peña

Die Bewegung indigener Gemeinden des Departamento Cauca, organisiert im CRIC (siehe Kasten), hat in den letzten Jahrzehnten ein selbstbestimmtes Bildungssystem erkämpft und aufgebaut. Inmitten des Kampfes der Gemeinden für Land, Selbstverwaltung und eigene Gesellschaftsweisen sind die Schulen zu wichtigen Motoren der politisch-sozialen (Wieder-)Aneignung und kulturellen (Wieder-)Belebung geworden.

Martin Mäusezahl und Eliseth Peña / Januar 2021

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Die Uni als Teil des Kampfes

Die Universidad Autónoma Indígena Intercultural ist ein Ort der Selbstbestimmung der indigenen Bewegung im Cauca/Kolumbien

Das Wandbild am UAIIN-Hauptsitz symbolisiert die Kämpfen der indigenen Bewegung um Land. Foto: Martin Mäusezahl

Von Martin Mäusezahl und Eliseth Peña / Mai 2020

Vieles ist anders an dieser Uni. Im Zentrum der UAIIN, der Interkulturellen Indigenen Autonomen Universität, in Kolumbiens südwestlicher Provinz Cauca, steht das aus den Weltsichten und Kämpfen der indigenen Gemeinden entstehende Wissen. Statt Dozent*innen und Professor*innen gibt es dinamizadores-orientadores, was so viel wie Bewegungs- und Richtungsgeber*in bedeutet. Auch die Student*innen – aktuell sind es rund 1.000 – heißen dinamizadores, auch sie bringen die Prozesse in Bewegung. Das Bemerkenswerteste jedoch ist, dass hier eine Bewegung marginalisierter kleinbäuerlicher, indigener Gemeinden (siehe Kasten), die inmitten eines bewaffneten Konflikts für Land und Selbstbestimmung kämpft, ihre eigene Universität aufgebaut und deren staatliche Anerkennung durchgesetzt hat. »Die UAIIN ist integraler Bestandteil der indigenen Bewegung und eine unserer Widerstandsstrategien«, erklärt Rosalba Ipia, die politische Rätin der Uni. »Es gibt sie durch unsere Kämpfe.«

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