Große Herausforderungen, großer Widerstand

Die kolumbianische Realität und der Cauca als ihr Spiegelbild

In der Primera Linea („ersten Reihe“) schützten junge Menschen die Demonstrationen während der Proteste 2021 gegen die Gewalt von Polizei und Militär, hier in Cali im August. Foto: Enrique Ramirez.

Das Kolumbien der letzten Jahre ist geprägt von Extremen. Dem Friedensvertrag von 2016 folgte die Ernüchterung. Die Gewalt endete nicht, stattdessen konfigurierte sich der Konflikt neu. Die riesige soziale Ungleichheit, die durch die Covid-Pandemie noch verstärkt wurde, und fehlende politische Teilhabe großer Bevölkerungsgruppen führten zu breiten Protesten. Sie trugen die erste linke Regierung in der Geschichte des Landes ins Amt. Deren Programm versprach grundlegende Reformen und weckte große Hoffnungen. Zum Ende ihrer Regierungszeit steht allerdings eine gemischte Bilanz und eine weitere Zunahme der Gewalt. Und im →Departement Cauca zeigen sich im Kleinen all diese Extreme wie unter einem Brennglas.

von Ani Dießelmann

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Kolumbien – wunderschön und tief gespalten

von Jochen Schüller / Januar 2019

Kolumbien ist ein wunderschönes Land zwischen tropischen Amazonas-Tiefebenen und schneebedeckten Andengipfeln, touristischer Karibik- und unberührter Pazifikküste. Multikulturell und multiethnisch mit einer kleinen Schicht weißer, europäisch-stämmiger Bevölkerung und einer großen Mehrheit von Mestiz*innen („Mischlinge“ aus Weißen und Indigenen ), der afrokolumbianischer Bevölkerung (Nachfahren der ehemaligen Sklav*innen ca. 10,6%) sowie den Indigenen (Ureinwohner*innen ca. 3,4 %). Die 102 indigenen pueblos („Völker“) sprechen 65 verschiedene Sprachen.

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Kolumbien: Fortsetzung der Gewalt

Friedensprozess mit großen Schwierigkeiten

Singende Soldaten – Foto: Jorge Mata

von Hans Weber / Januar 2019

Der Euphorie, mit der die Öffentlichkeit die historische Unterzeichnung des Friedensvertrags zwischen der Regierung Santos und der FARC-Guerilla Ende 2016 nach vierjährigen Verhandlungen feierte, ist schon wieder verflogen. Nicht nur weil die Gewalt nicht verschwunden ist, sondern weil sie sich deutlich verschärft hat. Mit Schrecken erleben gerade Basis-Aktivist*innen, wie sie massiv zum militärischen Ziel paramilitärischer Banden erklärt werden. Oppositionelle vermuten teilweise Geheimdienststrukturen dahinter. Zwischen Ende 2016 und August 2018 sind 350 Vertreter*innen von sozialen Bewegungen ermordet worden, praktisch doppelt so viele wie in den zwei vorherigen Jahren zusammen. Die Armeen der Drogenhändler, die sich mit den lokalen Militäreinheiten absprechen oder zumindest von ihnen geduldet werden, sind in ehemalige Zonen der FARC vorgedrungen. In einigen Regionen ähneln sie einer Besatzungsarmee, der die lokale Bevölkerung völlig ausgeliefert ist. Massaker, die eine Zeit lang als Teil der paramilitärischen Vergangenheit galten, sind wieder trauriger Alltag. Polizei und Militär attackieren weiterhin Basis-Aktivist*innen mit großer Härte. So kam es beispielsweise 2017 zu einem Massaker an sieben Kokabauern im südlichen Departement Nariño. In einigen Städten hat die Gewalt extreme Formen angenommen, etwa in Gestalt der sogenannten „Hackhäuser“ (Casas de Pique), wo paramilitärische Drogenbanden Menschen zerstückeln.

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Hoffnung säen, eine Bewegung ernten

Besetzung des Landwirtschaftsministeriums während der Minga 2015, Bogotá – Foto: Congreso de los Pueblos

von Yolima Bedoya /Januar 2019

Aus den Kämpfen der indigenen Bewegung im Norden des Cauca entstand 2008 unter dem indigenen Begriff Minga eine breite Protestbewegung gegen Krieg, Repression, Neo-Liberalismus und Freihandelsabkommen. Diese Minga war auch Ausgangspunkt einer dauerhafteren Organisierung und der Gründung des Congreso de los Pueblos – ein Dachverband verschiedenster Basisgruppen und Organisationen, die sich als Gegenpol und Gegenmacht zum gewählten Parlament, dem Congreso de la Republica de Colombia, begreift.

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