Das Kaffeekollektiv Aroma Zapatista handelt seit mehreren Jahren mit Kaffee der aufständischen Zapatist*innen aus Chiapas (Mexiko) und verkauft seit Dezember 2015 auch Kaffee der indigenen Bewegung aus dem Cauca (Kolumbien). Aroma Zapatista will mit dem solidarischen Kaffeehandel mehr erreichen, als nur faire Preise an die indigenen Kleinbäuer*innen zu zahlen.
Jochen Schüller sprach mit Kerstin Trubert, einem von sechs Mitgliedern des Kollektivs. 2017 und 2018 war Kerstin Trubert im Cauca.
Bei einer Befreiung der Mutter Erde wehren sich Indigene gegen die Repression durch einen Polizeihubschrauber, Corinto, 2015. Foto: Jonas Wresch.
Landbesetzungen sind eine Art des Widerstands der ländlichen Bevölkerung gegen Großgrundbesitz und Agrar-Multis. Die Nasa im Norden des Cauca nennen das „Befreiung der Mutter Erde“ und die Aktivist*innen Liberadores/as, also Befreier*innen.
Ein Interview von Luis Ortiz und Jochen Schüller mit einer Liberadora / Januar 2019
Der Euphorie, mit der die Öffentlichkeit die historische Unterzeichnung des Friedensvertrags zwischen der Regierung Santos und der FARC-Guerilla Ende 2016 nach vierjährigen Verhandlungen feierte, ist schon wieder verflogen. Nicht nur weil die Gewalt nicht verschwunden ist, sondern weil sie sich deutlich verschärft hat. Mit Schrecken erleben gerade Basis-Aktivist*innen, wie sie massiv zum militärischen Ziel paramilitärischer Banden erklärt werden. Oppositionelle vermuten teilweise Geheimdienststrukturen dahinter. Zwischen Ende 2016 und August 2018 sind 350 Vertreter*innen von sozialen Bewegungen ermordet worden, praktisch doppelt so viele wie in den zwei vorherigen Jahren zusammen. Die Armeen der Drogenhändler, die sich mit den lokalen Militäreinheiten absprechen oder zumindest von ihnen geduldet werden, sind in ehemalige Zonen der FARC vorgedrungen. In einigen Regionen ähneln sie einer Besatzungsarmee, der die lokale Bevölkerung völlig ausgeliefert ist. Massaker, die eine Zeit lang als Teil der paramilitärischen Vergangenheit galten, sind wieder trauriger Alltag. Polizei und Militär attackieren weiterhin Basis-Aktivist*innen mit großer Härte. So kam es beispielsweise 2017 zu einem Massaker an sieben Kokabauern im südlichen Departement Nariño. In einigen Städten hat die Gewalt extreme Formen angenommen, etwa in Gestalt der sogenannten „Hackhäuser“ (Casas de Pique), wo paramilitärische Drogenbanden Menschen zerstückeln.
Feliciano Valencia (2. Person von links) – Foto: Jorge Mata
von Jochen Schüller / Januar 2019
Feliciano Valencia gehört zu den prominentesten Vertreter*innen der indigenen Bewegung des Cauca. Er war unter anderem Beauftragter für Menschenrechte der ACIN und einer der Sprecher*innen der MINGA ab dem Jahr 2008, internationaler Sprecher für den Congreso de los Pueblos und Ratsmitglied im CRIC. Daher wurde er auch Opfer staatlicher Repression und saß mehrere Monate im Gefängnis. Seit dem Frühjahr 2018 ist er Senator im kolumbianischen Parlament für die noch junge Liste MAIS – Movimiento Alternativo Indígena y Social. Jochen Schüller sprach mit ihm über die indigene Bewegung im Cauca.
Besetzung des Landwirtschaftsministeriums während der Minga 2015, Bogotá – Foto: Congreso de los Pueblos
von Yolima Bedoya /Januar 2019
Aus den Kämpfen der indigenen Bewegung im Norden des Cauca entstand 2008 unter dem indigenen Begriff Minga eine breite Protestbewegung gegen Krieg, Repression, Neo-Liberalismus und Freihandelsabkommen. Diese Minga war auch Ausgangspunkt einer dauerhafteren Organisierung und der Gründung des Congreso de los Pueblos – ein Dachverband verschiedenster Basisgruppen und Organisationen, die sich als Gegenpol und Gegenmacht zum gewählten Parlament, dem Congreso de la Republica de Colombia, begreift.
Im selbstverwaltungsgebiet Kite Kiwe wird mit einer Minga an Gerson Acosta erinnert. Foto: Minga de pensamiento prácticas decoloniales
Am 19. April ist der indigene Gemeindeführer Gerson Acosta nach einer Versammlung in seiner Gemeinde Kite Kiwe auf offener Straße erschossen worden. Kite Kiwe liegt nahe Popayán im Department Cauca im Südwesten Kolumbiens. Der 35-jährige Acosta war bekannt als Menschenrechtsverteidiger; zudem war er Repräsentant der Opfer aus der Gemeinde Naya, die 2001 nach einem Massaker durch Paramilitärs vertrieben worden waren. Acosta hatte immer wieder Ermittlungen über die Hintermänner des Massakers gefordert. Bereits am 23. März war ein weiteres Gemeindemitglied, Javier Oteca, ermordet worden. Die kolumbianische Ombudsstelle für Menschenrechte hat seit dem 1. Januar 2017 bereits 25 ermordete Führungspersönlichkeiten gezählt.
Lediglich mit einem Stock bewaffnet, der mit bunten Bändern verziert ist, verteidigt die Guardia Indígena ihr Territorium, ihre Autonomie und ihren Lebensunterhalt.